Tischlein deck dich

Ein Schneider lebt mit seiner Frau und seinen drei Söhnen ein ehrliches Leben. Diese drei Söhne nannte man der Lange, der Dicke und der Dumme. Der Lange wurde Schreiner und zog nach seiner Lehrzeit in die Welt hinaus, doch er konnte keine Arbeit finden. Nach langem Suchen traf er in einem Wald auf einen Mann, der ihm Arbeit und Unterkunft anbot. Nachdem er dort eine Weile fleißig gearbeitet hat, schickte ihn der Mann wieder fort. Aber er bezahlte ihn nicht mit Geld, sondern mit einem Tischlein, das sich auf sein Geheiß mit den besten Speisen und Getränken deckte. Der Lange machte sich auf den Heimweg und immer, wenn er Hunger verspürte, rief er: „Tischlein, deck dich“. Ein betrügerischer Wirt belauschte ihn und tauschte das Tischlein gegen ein anderes, nicht mit Zauberkräften ausgestattetes Tischlein aus. Zu Hause angekommen, wollte er dem Vater das Tischlein vorführen und musste sich verspotten lassen, als sich das Tischlein nicht deckte.

Der zweite Sohn, der Dicke, war Müller geworden und auch er zog hinaus auf Wanderschaft. Auch er kam in den Wald und tat Dienst bei dem Mann. Er arbeitete fleißig, ordentlich und treu. Er bekam zum Abschied einen Esel, zu dem man „Eselein strecke dich!“ sagen musste, damit der Esel Ducaten niest. Dem Dicken widerfuhr das gleiche Schicksal wie seinem Bruder. Auch er wurde von dem betrügerischen Wirt über das Ohr gehauen und kehrte mit einem normalen Esel nach Hause zurück.

Da zog der jüngste Sohn, der auch der Dumme genannt wurde, los. Er war Drechsler geworden und suchte den Mann in dem Wald auf. Der Mann war mit der Arbeit des Drechslers sehr zufrieden. Da man ihn aber den Dummen nannte, wollte ihm der Mann kein schönes Andenken mitgeben, denn bereits seine Brüder waren durch Dummheit um ihre Gaben gebracht worden. Was sollte das dann erst bei ihm werden. Also erhielt er ein Säcklein mit einem Knüppel. Wenn er sagt „Knüppel aus dem Sack“ dann wird ein Prügel herausfahren und dem Widersacher kräftig zusetzen. Der Dumme ging daraufhin zu dem Wirt und gab ihm das Säcklein mit der Warnung, nur nicht „Knüppel aus dem Sack!“ zu sagen. Der Wirt musste jedoch unbedingt ausprobieren, ob das stimmte, was ihm der Dumme gesagt hatte. Und tatsächlich. Der Knüppel verprügelte den Wirt so sehr, dass er laut um Hilfe schrie. Der Dumme rief den Knüppel erst wieder in den Sack, als der Wirt das Tischlein und den Esel herausgerückt hatte. So hat sich der Dumme als gar nicht dumm, sondern als viel schlauer als seine beiden Brüder erwiesen.

Er kehrte mit Tischlein, Esel und Sack zum Hause seines Vaters zurück und überreichte seinen Brüder die Dinge, um die sie der diebische Wirt gebracht hatte. Da hieß der Lange das Tischlein sich zu decken und der Dicke den Esel Gold zu niesen. Der Vater und die Mutter staunten über das Zauberstück. Sie luden alle aus dem Dorfe ein und feierten lange. Das Tischlein deckte sich so oft, bis alle satt waren und der Esel nieste so viel Geld, bis keiner mehr tragen konnte. Der Vater musste fortan nicht mehr als Schneider zu arbeiten. Er schloss Nadel und Garn weg und lebte bis ans Ende seiner Tage glücklich mit seiner Frau und den drei Söhnen.


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