Das hässliche Entlein

Vor langer langer Zeit gab es einmal eine Entenmutter auf einem Bauernhof, welche darauf wartete, dass aus ihren sieben Eiern kleine Entenküken schlüpfen würden. Bald war es auch so weit und aus sechs der Eier schlüpften bildschöne gelbe Entenküken. Aber das siebte Ei, welches auch viel größer war als die anderen, rührte sich nicht. Erst Tage nach den anderen zerbarst auch dieses Ei, aber herraus kam graues und hässliches Entlein.

Die Entenmutter hatte zwar auch ihr graues Kind sehr lieb, aber sie machte sich große Sorgen: Das hässliche Entlein war sehr tollpatschig und kein anderes Tier wollte etwas mit ihm zu tun haben. Es wurde verspottet und ausgelacht und fühlte sich sehr sehr einsam. Statt zu schlafen weinte es des Nachts, bis es den Entschluss fasste, einfach davon zu laufen. Während noch alle anderen Tiere auf dem Bauernhof schliefen, machte sich das kleine Entlein auf den Weg. Alle Tiere, die es unterwegs traf. fragte es, warum es so hässlich sei. Aber niemand wusste eine Antwort. Weder die Schwäne auf dem Weiher, noch die Tiere des Waldes. Aber ein jeder sagte, dass es das hässlichste Entlein sei, welches man je gesehen hätte. So rannte das kleine Entlein weinend weiter, bis es an eine alte Bäuerin geriet. Diese hielt das kleine Entlein für eine Gans und sperrte es in einen Käfig, um leckere Gänseeier zu bekommen. Doch das kleine Entlein legte keine Eier. Die anderen Tiere warnten das Entlein, dass es als Gänsebraten enden würde, wenn es nicht bald Eier lege. So ergriff das Entlein eines Nachts, als die Bäuerin vergessen hatte den Käfig zu schließen, die Flucht. Es erreichte einen wunderschönen See an dessen Rand es sich im Schilf versteckte. Hier fühlte es sich sicher und fand Nahrung, so dass es sein Versteck nicht mehr verließ. Nach einiger Zeit jedoch brach der Winter ins Land und die stolzen weißen Vögel waren schon längst über dem Kopf des kleinen Entleins hinweg Richtung Süden geflogen. Das kleine Entlein fand bald keine Nahrung mehr in seinem Versteck und verließ dieses völlig entkräftet. Ein Bauer nahm das schwache Tier an sich und brachte es zu seinen Kindern, die es aufpäppelten und so über den Winter brachten.

Im darauffolgendem Frühling war es sehr groß geworden und der Bauer brachte es zurück zum Schilfsee. Dort genoss das Entlein das schöne Wasser. Doch im Wasser sah es sein Spiegelbild und wunderte sich, denn dort sah es kein hässliches Entlein mehr, sondern einen wunderschönen und stolzen Schwan! Auch die anderen Schwäne, die aus dem Süden zurück gekehrt waren, entdeckten den Neuling und nahmen ihn voller Freude in ihre Gruppe auf. Von nun an gab es kein hässliches Entlein mehr, sondern nur einen schönen Schwan, der nie wieder alleine sein musste. Die Kinder fanden sogar, dass er der schönste von allen sei.


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