Das Feuerzeug
Das Feuerzeug
Es kam ein Soldat auf der Landstraße dahermarschiert: eins, zwei; eins, zwei! Er hatte seinen Tornister auf dem Rücken und einen Säbel an der Seite, denn er war im Krieg gewesen und wollte nun nach Hause.
Da begegnete er einer alten Hexe; sie war widerlich, ihre Unterlippe hing ihr gerade bis auf die Brust hinunter. Sie sagte: “Guten Abend, Soldat! Was hast du doch für einen schönen Säbel und großen Tornister! Du bist ein wahrer Soldat! Nun sollst du so viel Geld haben, wie du willst.”
“Ich danke dir, du alte Hexe!” sagte der Soldat.
“Siehst du den großen Baum da?” sagte die Hexe und zeigte auf eine Eiche, die ihnen zur Seite stand. “Er ist inwendig ganz hohl; da musst du den Wipfel erklettern, dann findest du ein Loch, durch das du dich hinabgleiten lassen und tief in den Erdboden gelangen kannst. Ich werde dir einen Strick um den Leib binden, damit ich dich wieder heraufziehen kann, wenn du mich rufst!”
“Was soll ich denn da unten?” fragte der Soldat.
“Geld holen!” sagte die Hexe. “Wisse, wenn du auf den Boden hinunterkommst, so bist du in einer großen Halle; da ist es ganz hell, denn da brennen über hundert Lampen. Dann erblickst du drei Türen. Du kannst sie öffnen, der Schlüssel steckt daran. Gehst du in die erste Kammer hinein, so siehst du mitten auf dem Fußboden eine große Kiste. Auf ihr sitzt ein Hund; er hat ein Paar Augen, so groß wie Teetassen, doch darum brauchst du dich nicht zu kümmern! Ich gebe dir meine blaue Schürze, die kannst du auf dem Fußboden ausbreiten, geh dann rasch hin und nimm den Hund, setze ihn auf meine Schürze, öffne die Kiste und nimm soviel Geld, wie du willst; es ist lauter Kupfer. Willst du lieber Silber haben, so musst du in das nächste Zimmer hineingehen; da sitzt ein Hund, der hat ein Paar Augen, so groß wie Mühlräder; doch das soll dich nicht kümmern. Setze ihn auf meine Schürze und nimm von dem Gelde! Willst du hingegen Gold haben, so kannst du es auch bekommen, und zwar soviel, wie du tragen willst, wenn du in die dritte Kammer hineingehst. Aber der Hund, der auf dem Goldkasten sitzt, hat zwei Augen, jedes so groß wie ein Turm. Glaube mir, das ist ein ordentlicher Hund; aber daran sollst du dich nicht kehren. Setze ihn auf meine Schürze, so tut er dir nichts, und nimm aus der Kiste soviel Gold, wie du willst!”
“Das ist nicht übel!” sagte der Soldat. “Aber was soll ich dir geben, du alte Hexe, denn etwas willst du doch auch wohl haben?”
“Nein”, sagte die Hexe, “nicht einen einzigen Groschen will ich haben! Für mich sollst du nur ein altes Feuerzeug nehmen, das meine Großmutter vergaß, als sie das letzte Mal da unten war!”
“Nun, so binde mir den Strick um den Leib!” sagte der Soldat.
“Hier ist er”, sagte die Hexe, “und hier ist meine blaue Schürze.”
Dann kletterte der Soldat auf den Baum hinauf, ließ sich in das Loch hinuntergleiten und stand nun, wie die Hexe gesagt hatte, unten in der großen Halle, wo die vielen Lampen brannten.
Nun öffnete er die erste Tür. Uh, da saß der Hund mit den Augen, so groß wie Teetassen, und glotzte ihn an.
“Du bist ein netter Kerl!” sagte der Soldat, setzte ihn auf die Schürze der Hexe und nahm soviel Kupfergeld, als seine Tasche fassen konnte, Schloss dann die Kiste, setzte den Hund wieder darauf und ging in das andere Zimmer hinein. Wahrhaftig, da saß der Hund mit den Augen, so groß wie Mühlräder.
“Du solltest mich lieber nicht so ansehen”, sagte der Soldat, “du könntest Augenschmerzen bekommen!” Und dann setzte er den Hund auf die Schürze der Hexe. Aber als er das viele Silbergeld in der Kiste erblickte, warf er all das Kupfergeld, was er hatte, fort und füllte die Taschen und den Tornister nur mit Silber. Nun ging er in die dritte Kammer. Das war hässlich! Der Hund darin hatte wirklich zwei Augen, so groß wie ein Turm, und die drehten sich im Kopfe, gerade wie die Flügel von Windmühlen.
“Guten Abend!” sagte der Soldat und berührte die Mütze, denn einen solchen Hund hatte er früher nie gesehen; aber als er ihn etwas genauer betrachtet hatte, dachte er: ‘Nun ist es genug!’ hob ihn auf den Fußboden herunter und machte die Kiste auf. Was war da für eine Menge Gold! Er konnte dafür die ganze Stadt und die Zuckerferkel der Kuchenfrauen, alle Zinnsoldaten, Peitschen und Schaukelpferde in der ganzen Welt kaufen! Ja, das war einmal Gold! Nun warf der Soldat alles Silbergeld, womit er seine Taschen und seinen Tornister gefüllt hatte, fort und nahm dafür Gold; ja, alle Taschen, der Tornister, die Mütze und die Stiefel wurden gefüllt, so dass er kaum gehen konnte; nun hatte er Geld! Den Hund setzte er auf die Kiste, schlug die Türe zu und rief dann durch den Baum hinauf:
“Zieh mich jetzt in die Höhe, du alte Hexe!”
“Hast du auch das Feuerzeug?” fragte die Hexe.
“Wahrhaftig”, sagte der Soldat, “das habe ich vergessen.” Und er ging und holte es. Die Hexe zog ihn hinauf, und da stand er wieder auf der Landstraße, die Taschen, Stiefel, Tornister und Mütze voll Gold.
“Was willst du mit dem Feuerzeug?” fragte der Soldat.
“Das geht dich nichts an!” sagte die alte Hexe. “Nun hast du ja Geld bekommen! Gib mir nur das Feuerzeug!”
“Ach was!” sagte der Soldat. “Willst du mir gleich sagen, was du damit willst, oder ich ziehe ganz einfach meinen Säbel aus der Scheide und schlage dir ohne zu zögern den Kopf ab!”
“Nein!” sagte die Hexe.
Da schlug der Soldat ihr den Kopf ab. Da lag sie. Aber er band all sein Geld in ihre Schürze, nahm es wie ein Bündel auf seinen Rücken, steckte das Feuerzeug ein und ging gerade nach der Stadt.
Das war eine prächtige Stadt, und in den prachtvollsten Wirtshäusern kehrte er ein, verlangte die allerbesten Zimmer und seine Lieblingsspeisen, denn nun war er ja reich, da er soviel Geld hatte.
Dem Diener, der seine Stiefel putzen sollte, kam es freilich vor, als seien es recht jämmerliche, alte Stiefel, die ein so reicher Herr besaß, aber er hatte sich noch keine neuen gekauft; am nächsten Tage bekam er anständige Stiefel und schöne Kleider. Nun war aus dem Soldaten ein vornehmer Herr geworden, und man erzählte ihm von all den Herrlichkeiten, die in der Stadt waren, und von dem König und was für eine niedliche Prinzessin seine Tochter sei.
“Wo kann man sie zu sehen bekommen?” fragte der Soldat.
“Sie ist gar nicht zu Gesicht zu bekommen!” antwortete man. “Sie wohnt in einem großen Schlosse, von vielen Mauern und Türmen umgeben. Niemand außer dem König darf bei ihr ein und aus gehen, denn es ist prophezeit, dass sie an einen ganz gemeinen Soldaten verheiratet wird, und das kann der König nicht zugeben.”
‘Ich möchte sie wohl sehen!’ dachte der Soldat, aber dazu konnte er ja durchaus keine Erlaubnis erhalten.
Nun lebte er recht lustig, besuchte das Theater, fuhr in des Königs Garten und gab den Armen viel Geld, und das war hübsch von ihm; er wusste noch von früheren Zeiten her, wie schlimm es ist, nicht einen Groschen zu besitzen! Er war immer noch reich, hatte schöne Kleider und bekam viele Freunde, die alle sagten, er sei ein vortrefflicher Mensch, ein wahrer Edelmann, und das hatte der Soldat gern! Aber da er jeden Tag Geld ausgab und nie etwas einnahm, so blieben ihm zuletzt nicht mehr als zwei Groschen übrig. Er musste die schönen Zimmer verlassen und oben in einer ganz kleinen Kammer wohnen, dicht unter dem Dache, seine Stiefel selbst bürsten und sie mit einer Stopfnadel zusammennähen, und keiner seiner Freunde kam zu ihm, denn es waren viele Treppen hinaufzusteigen.
Es war ein ganz dunkler Abend, er konnte sich nicht einmal ein Licht kaufen, aber da fiel es ihm ein, dass ein kleines Stückchen in dem Feuerzeuge liege, das er aus dem hohlen Baume, in den die Hexe ihm hinuntergeholfen, genommen hatte. Er holte das Feuerzeug und das Lichtstückchen vor; aber gerade als er Feuer schlug, sprang die Tür auf, und der Hund, der Augen so groß wie ein paar Teetassen hatte und den er unten unter dem Baume gesehen hatte, stand vor ihm und fragte: “Was befiehlt mein Herr?”
“Was ist das?” fragte der Soldat. “Das ist ja ein lustiges Feuerzeug, wenn ich so bekommen kann, was ich haben will! Schaffe mit etwas Geld”, sagte er zum Hunde, und schnell war er fort und wieder da, und hielt einen großen Beutel voll Geld in seinem Maule.
Nun wusste der Soldat, was für ein prächtiges Feuerzeug das war! Schlug er einmal, so kam der Hund, der auf der Kiste mit Kupfergeld saß, schlug er zweimal, so kam der, der das Silbergeld bewachte, und schlug er dreimal, so kam der, der das Gold hatte. Nun zog der Soldat wieder in die schönen Zimmer, erschien wieder in schönen Kleidern, und da erkannten ihn sogleich alle seine Freunde und hielten sehr viel von ihm.
Da dachte er einmal: ‘Es ist doch etwas recht Sonderbares, dass man die Prinzessin nicht zu sehen bekommen kann. Sie soll sehr schön sein; aber was kann das helfen, wenn sie immer in dem großen Schlosse sitzen soll! Kann ich sie denn gar nicht zu sehen bekommen? Wo ist mein Feuerzeug? Er schlug Feuer, und da kam der Hund mit den Augen, so groß wie Teetassen.
“Es ist freilich mitten in der Nacht”, sagte der Soldat, “aber ich möchte herzlich gern die Prinzessin nur einen Augenblick sehen!”
Der Hund war gleich aus der Tür, und ehe der Soldat daran dachte, sah er ihn schon mit der Prinzessin wieder. Sie saß und schlief auf dem Rücken des Hundes und war so lieblich, dass jedermann sehen konnte, dass es eine wirkliche Prinzessin war; der Soldat konnte es durchaus nicht unterlassen, sie zu küssen, denn er war ganz und gar Soldat.
Darauf lief der Hund mit der Prinzessin zurück. Doch als es Morgen wurde und der König und die Königin kamen, sagte die Prinzessin, sie habe in der vorigen Nacht einen ganz sonderbaren Traum von einem Hunde und einem Soldaten gehabt. Sie sei auf dem Hunde geritten, und der Soldat habe sie geküßt.
“Das wäre wahrlich eine schöne Geschichte!” sagte die Königin.
Nun sollte in der nächsten Nacht eine der alten Hofdamen am Bette der Prinzessin wachen, um zu sehen, ob es ein Traum sei oder was sonst.
Der Soldat hatte eine außerordentliche Sehnsucht, die Prinzessin wieder zu sehen, und so kam denn der Hund in der Nacht, nahm sie und lief, was er konnte; aber die alte Hofdame lief ebenso schnell hinterher. Als sie nun sah, dass der Hund mit der Prinzessin in einem großen Hause verschwand, dachte sie: ‘Nun weiß ich, wo er ist’, und machte mit einem Stück Kreide ein großes Kreuz an die Tür. Dann ging sie nach Hause und legte sich nieder, und der Hund kam auch mit der Prinzessin wieder. Aber als er sah, dass ein Kreuz an der Tür, wo der Soldat wohnte, gemacht war, nahm er auch ein Stück Kreide und machte Kreuze an alle Türen in der ganzen Stadt. Das war klug getan, denn nun konnte ja die Hofdame die richtige Tür nicht finden, da Kreuze an allen waren.
Frühmorgens kamen der König und die Königin, die alte Hofdame und alle Offiziere, um zu sehen, wo die Prinzessin gewesen war.
“Da ist es!” sagte der König, als er die erste Tür mit einem Kreuze erblickte.
“Nein, dort ist es, lieber Mann!” sagte die Königin, als sie die zweite Tür mit einem Kreuze darauf gewahr wurde.
“Aber da ist eins und dort ist eins!” sagten alle; wohin sie blickten, waren Kreuze an den Türen. Da begriffen sie denn wohl, dass ihnen das Suchen nichts helfen würde.
Aber die Königin war eine äußerst kluge Frau, die mehr konnte als in einer Kutsche fahren. Sie nahm ihre große, goldene Schere, schnitt ein großes Stück Seidenzeug in Stücke und nähte einen kleinen, niedlichen Beutel; den füllte sie mit feiner Buchweizengrütze, band ihn der Prinzessin auf den Rücken, und als das getan war, schnitt sie ein kleines Loch in den Beutel, so dass die Grütze den ganzen Weg bestreuen konnte, den die Prinzessin nahm.
In der Nacht kam nun der Hund wieder, nahm die Prinzessin auf den Rücken und lief mit ihr zu dem Soldaten hin, der sie lieb hatte und gern ein Prinz hätte sein mögen, um sie zur Frau bekommen zu können.
Der Hund merkte nicht, wie die Grütze gerade vom Schlosse bis zum Fenster des Soldaten, wo er mit der Prinzessin die Mauer hinauflief, sich ausstreute. Am Morgen sahen der König und die Königin nun wohl, wo ihre Tochter gewesen war, und da nahmen sie den Soldaten und setzten ihn ins Gefängnis.
Da saß er. Hu, wie dunkel und hässlich war es da! Und dazu sagte man ihm: “Morgen wirst du gehängt werden.” Das zu hören, war eben nicht ergötzlich, und sein Feuerzeug hatte er zu Hause im Gasthofe gelassen. Am Morgen konnte er durch das Eisengitter vor dem kleinen Fenster sehen, wie sich das Volk beeilte, aus der Stadt zu kommen, um ihn hängen zu sehen. Er hörte die Trommeln und sah die Soldaten marschieren. Alle Menschen liefen hinaus; unter ihnen war auch ein Schuhmacherjunge mit Schurzfell und Pantoffeln; er lief so im Galopp, dass einer seiner Pantoffeln gerade gegen die Mauer abflog, hinter der der Soldat saß und durch das Eisengitter hinaussah.
“Ei, du Schuhmacherjunge! Du brauchst nicht solche Eile zu haben”, sagte der Soldat zu ihm; “es wird nichts daraus, bevor ich komme! Willst du aber hinlaufen, wo ich gewohnt habe, und mir mein Feuerzeug holen, so sollst du vier Groschen haben! Aber du musst schnell machen!” Der Schuhmacherjunge wollte gern die vier Groschen haben und lief fort nach dem Feuerzeuge, brachte es dem Soldaten und - ja, nun werden wir hören!
Außerhalb der Stadt war ein großer Galgen gemauert, ringsherum standen die Soldaten und viele tausend Menschen. Der König und die Königin saßen oben auf einem prächtigen Thron, den Richtern und dem ganzen Rat gegenüber.
Der Soldat stand schon oben auf der Leiter; aber als sie ihm den Strick um den Hals legen wollten, sagte er, dass man ja immer einem armen Sünder, bevor er seine Strafe erdulde, die Erfüllung eines unschuldigen Wunsches gewähre. Er möchte eine Pfeife Tabak rauchen, es sei ja die letzte Pfeife, die er in dieser Welt bekomme.
Das wollte der König ihm denn auch nicht abschlagen, und so nahm der Soldat sein Feuerzeug und schlug Feuer, ein-, zwei-, dreimal! Da standen alle drei Hunde, der mit den Augen, so groß wie Teetassen, der mit den Augen wie Mühlräder und der, dessen Augen so groß waren wie ein Turm.
“Helft mir, dass ich nicht gehängt werde”, sagte der Soldat, und da fielen die Hunde über die Richter und den ganzen Rat her, nahmen den einen bei den Beinen und den andern bei der Nase und warfen sie viele Ellen hoch in die Luft, dass sie beim Niederfallen sich in Stücke zerschlugen.
“Ich will nicht”, sagte der König, aber der größte Hund nahm sowohl ihn wie die Königin und warf sie den andern nach; da erschraken die Soldaten, und alles Volk rief: “Guter Soldat, du sollst unser König sein und die schöne Prinzessin haben!”
Dann setzten sie den Soldaten in des Königs Kutsche, und alle drei Hunde tanzten vorauf und riefen Hurra, und die Knaben pfiffen auf den Fingern, und die Soldaten präsentierten das Gewehr. Die Prinzessin kam aus dem Schlosse und wurde Königin, und das gefiel ihr wohl! Die Hochzeit währte acht Tage lang, und die Hunde saßen mit bei Tische und machten große Augen.
Das Feuerzeug
Es kam ein Soldat die Landstraße dahermarschiert: Eins, zwei! Eins, zwei! Er hatte seinen Tornister auf dem Rücken und einen Säbel an der Seite, denn er war im Kriege gewesen und wollte nun heim. Da traf er eine alte Hexe auf dem Wege. Sie war garstig, ihre Unterlippe hing ihr bis auf die Brust hinab. Sie sagte: “Guten Abend, Soldat! Was für einen schönen Säbel du hast und was für einen großen Tornister! Du bist ein richtiger Soldat! Nun sollst du soviel Geld bekommen, wie du haben willst!” “Schönen Dank, alte Hexe!” sagte der Soldat.
“Kannst du den großen Baum sehen?” sagte die Hexe, und zeigte auf einen Baum, der an der Seite stand. Er ist innen ganz hohl! Dort sollst du hinaufklettern bis zur Spitze; dann siehst du ein Loch, durch welches du dich hinabgleiten lassen und tief in den Baum hinunterkommen kannst! Ich werde dir einen Strick um den Leib binden, damit ich dich wieder heraufziehen kann, wenn du mich rufst!”
“Was soll ich denn unten im Baum?” fragte der Soldat.
“Geld holen!”. sagte die Hexe. “Du mußt wissen, wenn du auf dem Grund des Baumes ankommst, so bist du in einem großen Gage; da ist es ganz hell, denn es brennen über hundert Lampen dort. Dann siehst du drei Türen. Du kannst sie aufschließen, der Schlüssel steckt darin. Gehst du in die erste Kammer hinein, so siehst du mitten auf dem Fußboden eine große Kiste, auf der ein Hund sitzt; er hat ein paar Augen so groß wie ein paar Teetassen, doch darum sollst du dich nicht kümmern! Ich gebe dir meine blaugewürfelte Schürze, die kannst du auf dem Fußboden ausbreiten; geh dann rasch hin und nimm den Hund, setze ihn auf meine Schürze, schließ die Kiste auf und nimm soviel Geld wie du willst; es ist lauter Kupfer. Wenn du aber lieber Silber haben willst, mußt du in das nächste Zimmer geben; doch dort sitzt ein Hund, der hat ein Paar Augen, so groß wie ein Paar Mühlräder; aber darum brauchst du dich nicht kümmern, setz ihn auf meine Schürze und nimm dir von dem Gelde! Willst du hingegen Gold haben, so kannst du auch das bekommen, und zwar soviel, wie du tragen magst, wenn du in die dritte Kammer hineingehst. Aber der Hund, der hier auf der Geldkiste sitzt, der hat zwei Augen, jedes so groß, wie der Runde Turm in Kopenhagen. Das ist ein gewaltiger Hund, kannst du glauben! Aber darum sollst du dich gar nicht kümmern! Setze ihn nur auf meine Schürze, dann tut er dir nichts, und nimm dir aus der Kiste so viel Gold du willst!”
“Das ist gar nicht so dumm!” sagte der Soldat. “Aber was soll ich dir geben, du alte Hexe? Denn etwas willst du wohl auch haben, denke ich!”
“Nein”, sagte die Hexe, “nicht einen einzigen Schilling will ich haben! Für mich sollst du nur ein altes Feuerzeug nehmen, das meine Großmutter vergaß, als sie das letzte Mal unten war!”
“Na, dann leg mir den Strick um den Leib!” sagte der Soldat.
“Hier ist er”, sagte die Hexe, “und hier ist meine blaugewürfelte Schürze.”
So kletterte der Soldat nun den Baum hinauf, ließ sich durch das Loch hinuntergleiten und stand unten, wie die Hexe es gesagt hatte, in dem großen Gange, wo die vielen hundert Lampen brannten.
Nun schloß er die erste Tür auf. Uh! da saß der Hund mit den Augen, so groß wie Teetassen und glotzte ihn an.
“Du bist mir ja ein netter Kerl!” sagte der Soldat, setzte ihn auf die Schürze der Hexe und nahm so viel Kupferschillinge, wie in seine Taschen hineingehen wollten, schloß dann die Kiste, setzte den Hund wieder darauf und ging in das andere Zimmer. Hei! da saß der Hund mit den Augen so groß wie ein Paar Mühlräder.
“Du solltest mich nicht so lange ansehen!” sagte der Soldat, “Du könntest Augenschmerzen bekommen!” und dann setzte er den Hund auf die Schürze der Hexe. Doch als er das viele Silbergeld in der Kiste sah, warf er alles Kupfergeld fort, was er hatte und füllte seine Taschen und den Tornister mit dem lauteren Silber. Nun ging er in die dritte Kammer! Nein, war das scheußlich! Der Hund darin hatte wirklich zwei Augen so groß wie der Runde Turm und die rollten im Kopfe herum gerade wie Mühlräder!
“Guten Abend!” sagte der Soldat und griff an die Mütze, denn solch einen Hund hatte er niemals vorher gesehen; aber als er ihn ein Weilchen angesehen hatte, dachte er, nun genügt es eigentlich, hob ihn auf den Fußboden herunter und schloß die Kiste auf. Nein, Gott bewahre, was war das für eine Menge Gold, ganz Kopenhagen konnte er dafür kaufen und die Zuckerferkel der Kuchenfrauen, alle Zinnsoldaten, Peitschen und Schaukelpferde in der ganzen Welt! Ja, da war wirklich einmal Geld! - Nun warf der Soldat alle die Silberschillinge, mit denen er seine Taschen und den Tornister gefüllt hatte, fort und nahm Gold dafür. Ja, alle Taschen, der Tornister, die Mütze und die Stiefel wurden gefüllt, so daß er kaum laufen konnte. Nun hatte er Geld! Den Hund setzte er wieder auf die Kiste, schlug die Türe zu und rief dann durch den Baum hinauf: “Zieh mich nun hinauf, alte Hexe!”
“Hast du das Feuerzeug mit?” fragte die Hexe.
“Wahrhaftig!” sagte der Soldat, “das habe ich reinweg vergessen”, und er ging und nahm es. Die Hexe zog ihn herauf, und da stand er wieder auf der Landstraße mit seinen Taschen, Stiefeln, dem Tornister und der Mütze voll Geld.
“Was willst du eigentlich mit dem Feuerzeug?” fragte der Soldat.
“Das geht dich nichts an!” sagte die Hexe, “Du hast ja nun G eld bekommen, gib mir nur das Feuerzeug!”
“Schnickschnack!” sagte der Soldat, “willst du mir wohl gleich sagen, was du damit willst, oder ich ziehe meinen Säbel und haue dir den Kopf ab!”
“Nein!” sagte die Hexe.
Da schlug ihr der Soldat den Kopf ab. Nun lag sie da! Aber er band all sein Geld in ihre Schürze, nahm sie wie ein Bündel auf den Rücken, steckte das Feuerzeug in die Tasche und ging geradeaus in die Stadt.
Das war eine prächtige Stadt und in dem prächtigsten Wirtshaus kehrte er ein und verlangte die allerbesten Zimmer und seine Leibgerichte, denn nun war er reich, da er soviel Geld hatte. Dem Diener, der seine Stiefel putzen sollte, schienen es eigentlich recht jämmerliche, alte Stiefel zu sein, für einen so reichen Herrn, aber er hatte sich noch keine neuen gekauft; am nächsten Tage kaufte er sich Stiefel, mit denen er sich sehen lassen konnte, und die schönsten Kleider! Nun war der Soldat ein vornehmer Herr geworden, und man erzählte ihm von all den prächtigen Dingen in der Stadt, und von ihrem Könige und was seine Tochter für eine hübsche Prinzessin war.
“Wo kann man sie zu sehen bekommen?” fragte der Soldat.
“Man kann sie überhaupt nicht zu sehen bekommen!” sagte man ihm, “sie wohnt in einem großen kupfernen Schlosse mit vielen, vielen Mauern und Türmen herum! Niemand außer dem König darf aus - oder eingehen bei ihr, denn es ist geweissagt, daß sie sich mit einem ganz gewöhnlichen Soldaten verheiraten wird, und das kann der König nicht zugeben.”
“Ich möchte sie wohl sehen!” dachte der Soldat, aber dazu konnte er ja eben keine Erlaubnis bekommen.
Nun lebte er lustig darauf los, ging ins Theater, fuhr in des Königs Garten und gab den Armen viel Geld, und das war wohlgetan; er wußte noch aus alten Tagen, wie schlimm es war, nicht einen Schilling zu besitzen! - Er war nun reich, hatte schöne Kleider und bekam viele Freunde, die alle sagten, er wäre ein feiner Kerl, ein richtiger Kavalier und das konnte der Soldat wohl leiden. Aber da er jeden Tag Geld ausgab und nie etwas hereinbekam, so hatte er zuletzt nicht mehr als zwei Schillinge übrig und mußte aus den schönen Zimmern, wo er gewohnt hatte, fortziehen in eine winzig kleine Kammer hinein ganz oben unter dem Drache, mußte selbst seine Stiefel bürsten und sie mit einer Stopfnadel zusammennähen, und keiner von seinen Freunden kam zu ihm, denn es waren so viele Treppen zu steigen.
Es war ein ganz dunkler Abend, und er konnte sich nicht einmal ein Licht kaufen; aber da fiel ihm ein, daß in dem Feuerzeug, das er aus dem hohlen Baum mitgebracht hatte, in welchen ihm die Hexe hinuntergeholfen hatte, ein kleiner Lichtstumpf gewesen war. Er holte das Feuerzeug und den Stumpf hervor, aber eben, als er Feuer schlug und die Funken aus dem Stein stoben, sprang die Türe auf, und der Hund, der Augen hatte so groß wie ein paar Teetassen, und den er unten unter dem Baume gesehen hatte, stand vor ihm und sagte: “Was befiehlt mein Herr?”
“Was ist denn das!” sagte der Soldat, “das wäre ja ein lustiges Feuerzeug, wenn ich so bekommen kann, was ich haben will. Schaff mir etwas Geld!” sagte er zu dem Hund, und wupp, war der fort und wieder da und hielt einen großen Beutel voll Geld in seinem Maule.
Nun wußte der Soldat, was für ein prächtiges Feuerzeug das war. Schlug er einmal, so kam der Hund, der auf der Kiste mit Kupfergeld saß, schlug er zweimal, so kam der, der das Silbergeld hatte, und schlug er dreimal, so kam der, der das Gold hatte. Nun zog der Soldat wieder hinunter in die hübschen Zimmer und ging in den guten Kleidern einher, und da kannten ihn gleich alle seine Freunde wieder; sie hielten so sehr viel von ihm.
Da dachte er einst: Es ist doch merkwürdig, daß man die Prinzessin nicht zu sehen bekommen darf. Sie soll so wunderschön sein, sagen alle; aber was kann das helfen, wenn sie immer in dem großen Kupferschloß mit den vielen Türmen sitzen muß. - Kann ich sie denn gar nicht zu sehen bekommen? - Wo ist denn mein Feuerzeug und nun schlug er Feuer und wupp, kam der Hund mit den Augen, so groß wie Teetassen.
“Es ist freilich mitten in der Nacht,” sagte der Soldat, “aber ich möchte so herzlich gern die Prinzessin sehen, nur einen kleinen Augenblick!”
Der Hund war stracks aus der Tür und ehe der Soldat es gedacht, sah er ihn mit der Prinzessin wieder. Sie saß und schlief auf dem Rücken des Hundes und war so schön, daß jedermann sehen konnte, daß es eine wirkliche Prinzessin war; der Soldat konnte nicht anders, er mußte sie küssen, denn er war eben ein richtiger Soldat.
Der Hund lief nun mit der Prinzessin wieder zurück, aber als am Morgen der König und die Königin Tee tranken, sagte die Prinzessin, sie habe heute Nacht einen so wunderlichen Traum geträumt von einem Hunde und einem Soldaten. Sie hätte auf dem Hunde geritten, und der Soldat hätte sie geküßt.
“Das wäre ja eine schöne Geschichte!” sagte die Königin.
Nun sollte eine von den alten Hofdamen die nächste Nacht am Bette der Prinzessin wachen, um zu sehen, ob es wirklich ein Traum war, oder was es sonst sein könnte.
Der Soldat hatte schreckliche Sehnsucht danach, die wunderschöne Prinzessin wiederzusehen, und so kam denn der Hund in der Nacht, nahm sie und lief was er konnte, doch die alte Hofdame zog Wasserstiefel an und lief ebenso schnell hinterdrein. Als sie nun sah, daß sie in einem großen Hause verschwanden, dachte sie: nun weiß ich, wo es ist, und malte mit einem Stück Kreide ein großes Kreuz auf die Tür. Dann ging sie nach Hause und legte sich wieder hin, und der Hund kam auch wieder mit der Prinzessin; als er aber sah, daß ein großes Kreuz auf die Tür gemalt war, wo der Soldat wohnte, nahm er auch ein Stück Kreide und machte Kreuze auf alle Türen in der ganzen Stadt, und das war klug getan, denn nun konnte ja die Hofdame nicht die richtige Tür finden, wenn an allen Kreuze waren.
Morgens früh kam der König und die Königin, die alte Hofdame und alle Offiziere, um zu sehen, wo die Prinzessin gewesen war.
“Da ist es!” sagte der König, als er die erste Tür mit einem Kreuze sah.
“Nein, dort ist es, mein lieber Mann!” sagte die Königin, als sie die zweite Tür mit dem Kreuze sah.
“Aber hier ist eins und dort ist auch eins” riefen alle; wohin sie sahen, waren Kreuze auf den Türen. Da mußten sie einsehen, daß ihnen das Suchen nichts helfen würde.
Doch die Königin war eine sehr kluge Frau, die mehr konnte, als bloß in der Kutsche fahren. Sie nahm ihre große goldene Schere, schnitt ein großes Stück Seidenzeug in Stücke und nähte einen kleinen niedlichen Beutel; den füllte sie mit feiner Buchweizengrütze, band ihn der Prinzessin auf den Rücken und als das getan war, schnitt sie ein kleines Loch in den Beutel, so daß die Grütze den ganzen Weg bestreuen mußte, den die Prinzessin nahm.
In der Nacht kam nun der Hund wieder, nahm die Prinzessin auf seinen Rücken und lief mit ihr zu dem Soldaten hin, der sie so lieb hatte und so gerne ein Prinz gewesen wäre, um sie zur Frau zu bekommen.
Der Hund merkte gar nicht, wie die Grütze den ganzen Weg entlang vom Schlosse bis zum Fenster des Soldaten streute, wo er die Mauer mit der Prinzessin hinauflief. Am Morgen konnten der König und die Königin genau sehen, wo ihre Tochter gewesen war, und da nahmen sie den Soldaten und warfen ihn in den Kerker.
Da saß er nun. Hu, wie dunkel und langweilig das war, und überdies sagte man zu ihm: “Morgen wirst du gehängt”. Das war nicht eben angenehm zu hören, und sein Feuerzeug hatte er zuhause im Wirtshause vergessen. Am Morgen konnte er durch die eisernen Stangen vor dem kleinen Fenster sehen, wie das Volk aus der Stadt eilte, um ihn hängen zu sehen. Er hörte die Trommeln und sah die Soldaten marschieren. Alle Leute waren unterwegs; da war auch ein Schusterjunge mit Schurzfell und Pantoffeln, der lief so im Galopp, daß sein einer Pantoffel abflog und gerade gegen die Mauer, wo der Soldat saß und zwischen den Eisenstangen herausguckte.
“He, Schusterjunge! Du brauchst nicht solche Eile zu haben. Es wird doch nichts daraus, ehe ich komme! Aber willst du nicht hinlaufen, wo ich gewohnt habe und mir mein Feuerzeug holen? Dann sollst du vier Schillinge haben! Aber du mußt Beine machen!” Der Schusterjunge wollte gern die vier Schillinge haben, lief pfeilgeschwind fort nach dem Feuerzeug, gab es dem Soldaten, und ja, nun werden wir hören!
Draußen vor der Stadt war ein großer Galgen gemauert. Rundum standen Soldaten und viele hunderttausend Menschen. Der König und die Königin saßen auf einem prächtigen Thron, den Richtern und dem ganzen Rate gegenüber.
Der Soldat stand schon oben auf der Leiter, aber als sie ihm den Strick um den Hals legen wollten, sagte er, daß doch stets einem armen Sünder, bevor er seine Strafe erleide, ein unschuldiger Wunsch gewährt werde. Er wolle so gern noch eine Pfeife Tabak rauchen, es sei ja die letzte Pfeife, die er in dieser Welt bekäme.
Das mochte der König nun nicht abschlagen, und so nahm der Soldat sein Feuerzeug und schlug Feuer, eins, zwei, drei! und alle Hunde standen da, der mit den Augen so groß wie Teetassen, der mit den Augen so groß wie ein Paar Mühlräder und der, der Augen hatte so groß wie der Runde Turm.
“Helft mir nun, daß ich nicht gehängt werde!” sagte der Soldat, und die Hunde fuhren auf die Richter und den ganzen Rat los, nahmen den einen bei den Beinen, den andern bei der Nase und warfen sie weit in die Luft, so daß sie beim Herunterfallen ganz in Stücke zerschlagen wurden.
“Ich will nicht!” sagte der König, aber der größte Hund nahm beide, ihn und die Königin, und warf sie allen anderen nach. Da erschraken die Soldaten, und alles Volk rief: “Lieber Soldat, du sollst unser König sein und die schöne Prinzessin haben!”
Dann setzten sie den Soldaten in des Königs Kutsche, und alle drei Hunde tanzten voran und riefen “Hurra!” und die Jungen pfiffen auf den Fingern, und die Soldaten präsentierten das Gewehr. Die Prinzessin kam aus dem kupfernen Schlosse heraus und wurde Königin, und das gefiel ihr ausgezeichnet! Die Hochzeit dauerte acht Tage, und die Hunde saßen mit am Tische und machten große Augen.
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admin ·
25. November 2008 ·
Kategorie
Christian Andersen Märchen |


