Rotkäppchen

Rotkäppchen

Vor langer Zeit gab es einmal ein niedliches, kleines Mädchen, das von allen Menschen gemocht wurde, denen es begegnete. Am meisten wurde es von seiner Großmutter geliebt, und deshalb bekam es viele Geschenke von ihr. Ein Käppchen, das aus rotem Samt gemacht war, wollte es gar nicht mehr absetzen, und fortan wurde es nur noch Rotkäppchen genannt.
Eines Tages sagte die Mutter zu ihm: „Rotkäppchen, ich gebe dir etwas Kuchen und eine Flasche Wein mit. Sei so lieb und bringe beides der Großmutter, mit sie sich etwas stärken kann! Sei lieb zu ihr und richte ihr meine Grüße aus! Und vergiss nicht, immer auf dem Weg zu bleiben, dass du nicht etwa stolperst und dabei die Flasche zerbrichst und der schöne Wein hinüber ist!“

Rotkäppchen gab der Mutter sein Wort und machte sich auf den Weg in den dunklen Wald, in dem die Großmutter ihr kleines Häuschen hatte. Kaum ging Rotkäppchen durch den Wald, stand auf einmal der Wolf vor ihm. Rotkäppchen hatte keine Angst vor ihm, denn es wusste nicht, wie böse der Wolf war. „Hallo Rotkäppchen“, sprach er zu ihm, und „Hallo Wolf“ gab es zur Antwort. „Wohin des Weges?“
„Ich möchte meine alte kranke Großmutter besuchen gehen.“
„Ach, du liebes Mädchen. Was ist denn da unter deiner Schürze?“
„Eine Flasche Wein und einen Kuchen, damit die Großmutter wieder gesund wird.“
„Wo wohnt denn deine Großmutter?“
„Ach, nicht mehr weit, ein Stückchen weiter noch in den Wald hinein. Weißt du, wo die drei großen Eichen stehen? Gleich bei den Nusshecken.“
Dem Wolf lief bereits das Wasser im Munde zusammen, denn er sah in der Großmutter und auch in Rotkäppchen leichte Beute. Und so schmiedete er seinen Plan.
„Rotkäppchen, sind die eigentlich die wunderschönen Blumen aufgefallen, die hier im Wald überall stehen? Und der wunderbare Gesang der Vögel? Ist es nicht viel schöner, hier am Wald spazieren zu gehen, als draußen auf dem Felde oder im Dorf?“

Da erst bemerkte Rotkäppchen all die Schönheiten des Waldes und beschloss, der Großmutter einen Strauß Blumen zu pflücken. Sie würde sich bestimmt freuen, und es war ja noch früh und Rotkäppchen hatte genügend Zeit. Sogleich machte es sich daran, die schönsten Blumen zu suchen, und verlor sich immer tiefer in den Wald hinein.
Der Wolf machte sich zur gleichen Zeit auf den Weg zum Haus der Großmutter und klopfte an.
„Wer ist denn da?“
„Ich bin’s, das Rotkäppchen. Ich habe dir eine Flasche Wein und guten Kuchen mitgebracht, öffne mir die Türe!“
„Die Türe ist offen, ich liege im Bett und bin zu schwach, um sie aufzumachen.“
Als der Wolf die Klinke herunter drückte, öffnete sich die Tür. Er betrat das Haus, ging zum Bett, in dem die Großmutter lag, und fraß sie einfach auf. Die Kleider, die die Großmutter getragen hatte, zog er an, setzte sich ihr Häubchen auf und kroch unter die Bettdecke, um auf Rotkäppchen zu warten.

In der Zwischenzeit hatte Rotkäppchen einen riesengroßen Strauß Blumen gepflückt und machte sich auf den Weg, ihn zur Großmutter zu bringen. Die Haustür stand weit offen, und Rotkäppchen wunderte sich darüber. Auch als es das Haus betrat, hatte es ein komisches Gefühl, obwohl es die Großmutter immer gern besucht hatte, und auch etwas Angst. Es zog die Vorhänge auseinander, die der Wolf zuvor geschlossen hatte.
Das Gesicht der Großmutter sah es kaum, weil das Häubchen tief hinab gezogen war, aber sie sah merkwürdig aus.
„Großmutter, du hast ja ganz große Ohren!“
„Damit kann ich dich viel besser hören.“
„Und deine Augen sind so groß.“
„So kann ich dich viel besser sehen.“
„Und du hast ganz große Hände, Großmutter!“
„Damit kann ich dich viel besser anfassen.“
„Warum hast du denn so ein furchtbar großes Maul?“
„Damit ich dich besser fressen kann!“
Sprach’s, sprang auf und verschluckte auch das arme Rotkäppchen.

Anschließend legte sich der Wolf wieder in das Bett der Großmutter und schlief ein.
Sein lautes Schnarchen hörte der Jäger, der gerade draußen am Haus vorbei ging, und wunderte sich sehr. Er ging hinein, um zu sehen, was mit der Großmutter sei.
Der Jäger sah den Wolf im Bett liegen und dachte gleich, dass er bestimmt die Großmutter aufgefressen habe und er sie vielleicht noch retten könne. Also schnitt er dem schlafenden Wolf sogleich seinen Bauch auf. Zuerst sah er eine rote Kappe, dann das Mädchen Rotkäppchen, das lebendig aus dem Bauch sprang. Auch die Großmutter lebte noch und verließ den Bauch des Wolfes.
Rotkäppchen zog los, um viele große und schwere Steine zu holen, mit denen sie dem Wolf den Bauch füllten. Als der Wolf dann endlich wieder wach wurde, wollte er aus dem Bett springen. Aber mit all den schweren Steinen in seinem Bauch fiel er sogleich tot hin.

Alle drei waren glücklich, dass die Angelegenheit so ein gutes Ende genommen hatte. Der Jäger nahm das Fell des Wolfes, das er so lange schon haben wollte. Die Großmutter labte sich endlich am Wein und am Kuchen. Am glücklichsten aber war Rotkäppchen. Es dachte an die Worte seiner Mutter und nahm sich fest vor, niemals mehr den Weg im Wald zu verlassen.


Eine Reaktion zu “ Rotkäppchen ”

  1. lillie

    Ganz ok ;D

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